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Jahresbilanz 2025: Enthemmte Gewalt, steigende Fallzahlen – 623 rechte Angriffe in NRW

Informationsmaterial Monitoring Aktuelles

Enthemmte Gewalt, steigende Fallzahlen — Betroffenenberatungsstellen fordern Konsequenzen

Jahresstatistik 2025 dokumentiert Höchststand rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Nordrhein-Westfalen

 

Düsseldorf 21.07.2026 — Die unabhängigen Betroffenenberatungsstellen OBR und BackUp haben heute ihre Jahresstatistik rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht. Die Zahlen für das Jahr 2025 zeichnen ein alarmierendes Bild: Mit 623 dokumentierten rechten Angriffen wurde der historische Höchststand des Vorjahres (seit Erfassung durch die Opferberatungsstellen) erneut überschritten. 724 Menschen wurden unmittelbar Opfer rechter Gewalt. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die die Beratungsstellen seit mehreren Jahren beobachten: Rechte, rassistische und antisemitische Gewalt verfestigt sich in Nordrhein-Westfalen auf einem alarmierend hohen Niveau.

Für OBR und BackUp ist der erneute Höchststand weit mehr als eine statistische Entwicklung. Er steht für eine zunehmende Enthemmung dieser Gewalt und ein gesellschaftliches Klima, in dem menschenfeindliche Einstellungen sichtbarer werden und sich Täter*innen zunehmend in ihrem Handeln bestärkt fühlen. Rechte, rassistische und antisemitische Gewalt richtet sich gegen Menschen, die aufgrund ihrer tatsächlichen oder zugeschriebenen Herkunft, Religion, sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität angegriffen werden, ebenso wie gegen diejenigen, die sich für Demokratie, Menschenrechte und eine vielfältige Gesellschaft einsetzen. Sie zielt darauf ab, Menschen einzuschüchtern, sie aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen und demokratische Teilhabe einzuschränken.

„Dass wir bereits zum zweiten Mal in Folge einen historischen Höchststand seit Erfassungsstart durch die Beratungsstellen dokumentieren, darf niemand als neue Normalität hinnehmen. Die Zahlen zeigen, dass rechte, rassistische und antisemitische Gewalt kein vorübergehendes Phänomen ist, sondern Ausdruck einer gesellschaftlichen Entwicklung, die sich weiter verschärft. Wo menschenfeindliche Positionen normalisiert werden, sinken die Hemmschwellen für Gewalt.“ (Anouk A., Projektleitung BackUp NRW).

Besonders auffällig ist der massive Anstieg der Angriffe auf politische Gegner*innen. Mit 181 dokumentierten Fällen hat sich ihre Zahl gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt. Rassistische Gewalt bleibt mit 313 Angriffen die häufigste Tatmotivation. Darüber hinaus dokumentierten OBR und BackUp 57 antisemitische sowie 54 queerfeindliche Gewalttaten.

Die Beratungsstellen weisen darauf hin, dass hinter jeder dokumentierten Tat Menschen stehen, deren Leben durch rechte, rassistische und antisemitische Gewalt nachhaltig verändert wird. Viele Betroffene leiden unter körperlichen und psychischen Folgen, ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld zurück oder vermeiden Orte, an denen sie sich nicht mehr sicher fühlen. Diese Gewalt wirkt deshalb weit über die unmittelbar Angegriffenen hinaus: Sie schafft Angst, verunsichert ganze Communities und greift die Grundlagen eines gleichberechtigten gesellschaftlichen Zusammenlebens an.

Gleichzeitig bildet die Statistik nur einen Teil des tatsächlichen Ausmaßes rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt ab. Viele Betroffene erstatten keine Anzeige oder wenden sich aus Angst vor weiteren Diskriminierungserfahrungen nicht an staatliche Stellen. Die Beratungsstellen gehen daher von einem erheblichen Dunkelfeld aus. Umso wichtiger sind die unabhängige Dokumentation dieser Gewalt und die niedrigschwellige Unterstützung von Betroffenen.

Aus Sicht von OBR und BackUp braucht es jetzt entschlossenes politisches Handeln. Die Beratungsstellen fordern einen wirksamen Schutz von Betroffenen und besonders gefährdeten Gruppen, eine dauerhaft gesicherte Finanzierung unabhängiger Betroffenenberatungsstellen, die konsequente Anerkennung rechter, rassistischer und antisemitischer Tatmotive durch Polizei und Justiz sowie eine klare politische Auseinandersetzung mit der zunehmenden Normalisierung von Rassismus, Antisemitismus und anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

„Rechte, rassistische und antisemitische Gewalt entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie entwickelt sich in einem gesellschaftlichen Klima, in dem menschenfeindliche Ideologien verbreitet, relativiert oder politisch instrumentalisiert werden. Wer Betroffene schützen will, muss deshalb nicht nur die Taten verfolgen, sondern auch den Bedingungen entgegentreten, die diese Gewalt begünstigen. Demokratie zeigt sich daran, ob alle Menschen ohne Angst am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.“ (Fabian Reeker, Projektleitung Opferberatung Rheinland).

Mit ihrer Jahresstatistik machen OBR und BackUp das Ausmaß rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Nordrhein-Westfalen sichtbar. Die Beratungsstellen begleiten Betroffene landesweit und setzen sich dafür ein, dass ihre Erfahrungen ernst genommen werden — als Grundlage für wirksamen Opferschutz und eine demokratische Gesellschaft.

Das Demokratiezentrum NRW, das seit 2026 unter dem Dach der Landeszentrale für politische Bildung beim Präsidenten des Landtags Nordrhein-Westfalen angesiedelt ist, fördert die Betroffenenberatungsstellen über Landes- und Bundesmittel.

„Die Jahresstatistik zum Ausmaß rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Nordrhein-Westfalen ist alarmierend: Hinter jeder Zahl stehen Menschen, die Angriffe oder Bedrohungen erfahren haben — mit oft weitreichenden Folgen für ihr Sicherheitsgefühl, ihr Vertrauen in die Gesellschaft und in Institutionen“ sagt Rana Aydin-Kandler, Leiterin des Demokratiezentrums NRW. „Beratungsstellen wie die Opferberatung Rheinland und BackUp leisten für Betroffene und ihre Angehörigen unverzichtbare Unterstützung: Sie sind niedrigschwellig erreichbar, erkennen die Gewalterfahrung von Betroffenen an und entwickeln gemeinsam mit ihnen Handlungsmöglichkeiten. Das anhaltend hohe Niveau der dokumentierten rechten Gewalt in NRW — darunter insbesondere rassistisch motivierte Taten — verdeutlicht einmal mehr den großen Bedarf an verlässlichen Beratungs- und Präventionsstrukturen. Ziel des Demokratiezentrums ist es daher, diese Angebote dauerhaft zu stärken. Das Gesetz zur Unabhängigkeit der Landeszentrale für politische Bildung bildet eine wichtige Grundlage dafür.“

Ansprechpartner*innen für Presseanfragen und Interviews: 

Niklas Weitekamp (OBR) · Telefon: 01575 / 2 73 49 08 · E-Mail: presse@opferberatung-rheinland.de

Toni Wagner (BackUp) · Telefon: 0152 / 06 34 31 35 · E-Mail: presse@backup-nrw.org

 

Statements der Betroffenenberatungsstellen in NRW

Hier finden Sie Stellungsnahmen aus den Betroffenenberatungsstellen in NRW, Opferberatung Rheinland (OBR) und BackUp. Die Aussagen in den Stellungsnahmen dürfen nicht verändert oder gekürzt (oder erweitert) werden. Sie können unter Nennung der Namen und geläufigen Zitierweisen für Artikel und Beiträge etc. durch Presse und Wissenschaft genutzt werden.

 

Den aktuellen Pressespiegel zur Jahresbilanz 2025 finden Sie hier: Pressespiegel Jahresbilanz 2025.

 

Ein ausführliches Hintergrundpapier mit weiterführenden Daten, Einordnungen und Analysen zur Jahresstatistik 2025 steht auf den jeweiligen Websites der Beratungsstellen Opferberatung Rheinland und BackUp zur Verfügung. Es bietet eine vertiefende Einordnung der dokumentierten Fälle sowie ergänzende Auswertungen und methodische Hinweise.


Die vollständige Jahresbilanz steht kostenfrei zum Download bereit: