Chronik der Gewalt

Wir dokumentieren nachfolgend rechte, rassistische und antisemitische Gewalt, Bedrohungen und Einschüchterungsversuche in NRW. Die Liste beruht ausschließlich auf öffentlich zugängliche Meldungen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Am Rande einer Protestaktion gegen Antisemitismus und die Beschädigung von neu verlegten Stolpersteinen in Dorstfeld wurde ein WDR-Reporter von einem Neonazi attackiert. Bereits während der Veranstaltung beobachteten drei Neonazis die Gedenkaktion, die von dem Journalisten mit der Kamera begleitet wurde. Kurze Zeit später schlug einer von ihnen dem Journalisten das Mikrofon aus der Hand und griff in die Kamera. Der Journalist blieb zum Glück unverletzt.

PM Polizei v. 2.7.21, nordstadtblogger.de v. 4.7.21

In der Nacht zu Sonntag wurden drei Bewohner:innen einer Geflüchtetenunterkunft angegriffen und verletzt. Einer der Bewohner hatte zuvor mit mehreren Personen in der Nähe gefeiert und sich in die Unterkunft zurückgezogen, als es unter den Feiernden zu Streitereien kam. Daraufhin schlugen drei bis vier Personen die Tür der Unterkunft ein und griffen zwei Bewohner mit Schlägen und Tritten an. Einer der Angegriffenen wurde dabei leicht, der andere schwer verletzt. Auch eine Frau, die schlichten wollte, wurde angegriffen und leicht verletzt. Die Polizei ermittelt wegen des Tathintergrundes in alle Richtungen.

PM Polizei v. 14.6.21

Ein 40-Jähriger aus Brüggen, der ein Arm-Tattoo in hebräischer Schrift trug, wurde am frühen Nachmittag von zwei jüngeren Männern als Jude beschimpft, angespuckt und geschlagen. Der Angegriffene wehrte die Angreifer ab und erlitt leichte Verletzungen. Er erstattete Anzeige bei der Polizei. Der Staatsschutz der Polizei Mönchengladbach übernahm die Ermittlungen.

Nrz.de v. 4.6.21, rp-online v. 6.6.21

Unbekannte rissen in der Nacht von einer katholischen Kirche in Köln-Lindenthal zwei Regenbogenfahnen ab und zündeten sie an. Wenige Tage zuvor hatte die Gemeinde während eines Open-Air-Gottesdienstes gleichgeschlechtliche Paare gesegnet und damit auch das zuvor ausgesprochene Segnungsverbot des Vatikans kritisiert. Der polizeiliche Staatsschutz nahm die Ermittlungen auf.

queer.de v. 13.5.21

Am frühen Abend wurde die Synagoge in Bonn-Gronau angegriffen. Mehrere Personen bewarfen den Glasbereich um die Eingangstüren mit zwei Steinen und zündeten auf dem Gehweg eine israelische Flagge an. Die alarmierte Polizei nahm drei Männer vorläufig fest, die das Verbrennen der israelische Fahne zugaben. Einer der Männer gab laut Polizei auch zu, einen Stein auf die Synagoge geworfen zu haben. Als Motiv habe er auf die aktuellen Entwicklungen im Nahostkonflikt verwiesen.

PM Polizei v. 11.5.21, ksta.de v. 12.5.21

Am Sonntag entzündete ein 37-jähriger Mann in einem Park einen Molotow-Cocktail und warf ihn unvermittelt in Richtung von zwei Familien, die sich dort aufhielten. Diese blieben zum Glück unverletzt. Laut Augenzeugen soll er dabei rassistische Parolen gerufen haben. Die alarmierte Polizei stoppte den zudem mit einem Messer und einem weiteren Molotow-Cocktail bewaffneten Mann mit einem gezielten Schuss ins Bein.

www1.wdr.de v. 19.5.21 u. rundblick-unna.de v. 22.5.21

Am späten Samstagabend veröffentlichte der Revolutionäre Jugendbund, dass nach Beendigung der rechten Kundgebung zwei Antifaschist*innen in der Nähe des S-Bahnhof Essen-West von einem Mitglied der sog. "Steeler Jungs" nach einem kurzen Wortwechsel angegriffen wurden. Eine Person wurde demnach durch eine Kopfnuss im Gesicht so schwer verletzt, dass er aus dem Mund blutete.

agr-essen.de/pressemitteilungen v.3.5.21

Gegen 20 Uhr am Montagabend alarmierten Augenzeug:innen Polizei und Feuerwehr wegen einer starken Rauchentwicklung an einem Übergangswohnheim für Geflüchtete. Ursache war eine vor dem Haus abgelegte Rauchbombe. Personen wurden nicht verletzt. Der polizeiliche Staatsschutz wurde in die Ermittlungen zu den möglichen Tathintergründen eingeschaltet.

solinger-tageblatt.de u. derwesten.de v. 20.4.21

Am frühen Abend wurde ein Taxifahrer am Bahnhof in Hamm von einer 52-jährigen Frau mit einem Messer attackiert. Die Frau soll zunächst im Vorbeigehen den Mittelfinger gezeigt und gegen das Taxi des Deutsch-Türken geschlagen haben. Als er die Frau zur Rede stellte, versuchte diese ihn mit einem aufgeklappten Taschenmesser zu verletzen. Der Angegriffene konnte die Frau überwältigen und festhalten, bis die Bundespolizei eingriff. Neben versuchter gefährlicher Körperverletzung wurde gegen die Frau ein Strafverfahren wegen Bedrohung und rassistischen Beleidigungen eingeleitet.

wa.de u. westfalen-blatt.de v. 12.4.21

In der Nacht zu Sonntag wurde ein 52-Jähriger in der Innenstadt auf seinem Heimweg von einem oder mehreren Unbekannten mit einem Schlag auf den Hinterkopf angegriffen. Passant:innen fanden den Mann verletzt auf dem Gehweg liegend und alarmierten den Rettungsdienst. Dem Angegriffenen sollen seine Lederjacke, seine Kippa und sein Mobiltelefon geraubt worden sein. Da ein antisemitisches Tatmotiv nicht ausgeschlossen ist, übernahm der Staatsschutz der Kölner Polizei die Ermittlungen.

Wz.de v. 6.4.21, express.de v. 12.4.21

Ein junger aus Guinea stammender Mann wurde am Nachmittag von einer 70-75 Jahre alten unbekannten Frau rassistisch beschimpft und vermutlich mit Pfefferspray so stark verletzt, dass er von Sanitätern versorgt und einem Augenarzt untersucht werden musste. Der 20-Jährige hatte auf einer Bank an der Straße gesessen, als er von der Frau ohne erkennbaren Grund angesprochen, beschimpft und mehrfach mutmaßlich mit Pfefferspray besprüht wurde.  

PM Polizei v. 1.4.21

Unbekannte beschmierten – vermutlich in der Nacht auf Sonntag – die Fassade eines Restaurants in Kornelimünster mit einem seitenverkehrten Hakenkreuz und einer rassistischen Parole, die sich auf die Hautfarbe des Inhabers und Kochs bezieht. Der polizeiliche Staatsschutz nahm Ermittlungen wegen einer „fremdenfeindlichen“ Sachbeschädigung auf und sucht nach Zeug*innen.

www1.wdr.de v. 22.3.21, PM Polizei v. 23.3.21

In der Nacht zu Sonntag wurde ein Taxifahrer mit iranischen Wurzeln in Lüttgendortmund von zwei Männern brutal zusammengeschlagen. Die Angreifer haben den neben seinem Taxi stehenden 55-Jährigen zunächst rassistisch beleidigt. Als der Taxifahrer sie daraufhin ansprach, schlug ihm einer der Angreifer eine Glasflasche auf den Kopf, sodass er zu Boden ging. Beide Angreifer schlugen und traten dann auf ihn ein. Der Verletzte musste mit einem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht werden. Zehn 10 Tage nach der Tat wurde ein 33-jähriger Mann als Tatverdächtiger festgenommen, der der rechten Szene in Dortmund angehören soll.

ruhr24.de v. 25.3. u. 1.4.21

In der Nacht wurde die Haustür einer türkeistämmigen Familie im Stadtteil Speldorf mit rassistischen Parolen beschmiert. Die seit Jahrzehnten in dem Haus lebende Familie zeigte sich angesichts der Tat geschockt und sprachlos. Bereits im November letzten Jahren war das Haus und das Auto der ebenfalls türkeistämmigen Nachbarfamilie mit rechten Symbolen und ähnlichen rassistischen Parolen verunstaltet worden. Der oder die Täter*in konnten bislang nicht ermittelt werden.

www.derwesten.de v. 17.3.21

Im Vorfeld einer Versammlung von sog. Impfgegner*innen und einer zunächst verbalen Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Personen holte ein laut Polizei der rechten Szene zuzuordnender Mann Pfefferspray hervor und drohte den Einsatz an. Polizeibeamte nahmen den Mann und dessen Begleiter in Gewahrsam und fertigten eine Strafanzeige wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung an.

PM Polizei v. 9.3.21

Eine 26-jährige Mutter, die am Nachmittag mit ihren Kindern zu Fuß in der Stadt unterwegs war, wurde erst mehrfach von einer hinter ihr hergehenden 70-75-jährigen Frau unverständlich und aggressiv angesprochen und rassistisch beleidigt. Dann fasste die Seniorin die fünfjährige Tochter am Oberarm und zerrte diese über die Straße. Das Kind konnte sich jedoch befreien und zu seiner Mutter zurücklaufen. Gleichzeitig schritte eine couragierte Zeugin ein. Die Polizei fahndet nach der bislang unbekannten Angreiferin wegen Beleidigung, Körperverletzung und versuchter Freiheitsberaubung.

PM Polizei u. nw.de v. 3.3.21

Nach einer Demo von rund 100 Gegner*innen des „Lockdowns“ wurde eine Gruppe Antifaschist*innen auf dem Weg zurück in die Innenstadt von mehreren sog. „Querdenkern“ angegriffen. Die Angreifenden gingen schubsend und schlagend gegen die Gruppe vor, die sich daraufhin zur Wehr setzte. Die Angegriffenen kritisieren, dass die Polizei ungeachtet des klaren Angriffs beide Gruppen einkesselte und auch gegen Antifaschist*innen vorging.

de.indymedia.org v. 15.2.21

Die Polizei durchsuchte die Wohnung eines mutmaßlichen Reichsbürgers im Ortsteil Niers, nachdem Nachbar*innen den Mann wegen Bedrohungen angezeigt hatten. Der Beschuldigte soll immer wieder herumgepöbelt und sie beschimpft haben – zum Beispiel, wenn sie zum Schutz gegen das Coronavirus im Supermarkt eine Maske getragen hatten. Zuletzt soll er Nachbar*innen massiv bedroht und dabei auch von Schusswaffen gesprochen haben. Bei der Durchsuchung wurden keine scharfen Schusswaffen gefunden, aber NS-Devotionalien, eine Gaspistole und eine Armbrust

www1.wdr.de, rp-online.de u. wz.de v. 12.2.21

Ein 16-Jähriger wurde am Nachmittag von einem bislang unbekannten älteren Mann rassistisch beleidigt und mit Pfefferspray bedroht. Dem Unbekannten missfiel, dass der Jugendliche mit seinem Rad auf dem Gehweg fuhr. Als der 16-Jährige entgegnete, dass es ihm auf der Straße wegen der Schneemassen zu gefährlich sei, reagierte der Angreifer mit rassistischen Beschimpfungen. Er zog zudem ein Pfefferspray aus der Tasche und hielt es in Richtung des Jugendlichen, der daraufhin die Polizei alarmierte.

PM Polizei v. 11.2.21

Am Freitagmorgen wurde eine junge Frau auf dem Weg zu ihrem Auto von fünf Unbekannten, darunter eine Frau, angegriffen und rassistisch beschimpft. Einer der Angreifer kam unvermittelt auf sie zu und schlug ihr das Smartphone aus der Hand. Dann wurde sie von der Gruppe zu Boden geschubst und getreten. Alle vier Männer trugen nach Angaben der Betroffenen Glatze, Lederjacke, Tattoos und Springerstiefel.

rp-online.de u. express.de v. 9.2.21

Das Auto eines 38-jährigen Musikers, der sich gegen Rassismus und rechte Hetze einsetzt, wurde massiv beschädigt. Unbekannte schlugen mit einem Ziegelstein die Scheibe ein und hinterließen auf der Fahrerseite einen Zettel mit einer antischwarzen Beleidigung. Der Betroffene war bereits zuvor Zielscheibe von rechten Hackern und Trollen, die er öffentlich bekannt machte.

raptastisch.net  v. 17.2.u. 6.3.21

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